Éva Karikó

1968 in Ungarn geboren. Seit 30 Jahren verheiratet, Mutter von vier erwachsenen Kindern und Großmutter eines kleinen Jungen. Sie arbeitet als Journalistin, als Herausgeberin und in der Lebensberatung. Mit ihrem Mann gehört sie zum ungarischen Familienbund.

„Lebensbuch-Verlag“ Életútikönyv tollbamondva Kiadó  (https://www.karikoeva.hu/ <https://www.karikoeva.hu/>)

Im Alter von dreiundzwanzig Jahren hatte ich ein tiefes Gotteserlebnis. Dieser Moment veränderte mein ganzes Leben. Ich fand einen authentischen Priester, der es nicht bereute, mir seine kostbare Zeit zu widmen. Wochenlang beantwortete er geduldig alle meine Fragen. Ich hatte „nach Hause“ gefunden; der Gedanke jedoch, dass ich überall Menschen sah, die sich nach „Brotkrumen“ vom Tisch des Herrn sehnten, ließ mir keine Ruhe.

In der Zeit meiner großen Suche habe ich praktisch kein Buch gefunden, das die Frage von Menschen auf der Suche nach Gott verständlich – und nicht in abstrakten theologischen Höhen – beantwortet. Wenn es keines gibt, dann mache ich selber eins, so dachte ich kurzentschlossen. Tatsächlich ist es mir gelungen, 16 Bücher, Interviewbände und Geschenkbücher herauszugeben mit Gedanken von Papst Franziskus und Bruder Csaba Böjte. Viele Menschen ziehen Kraft aus diesen Büchern, die es auf die Bestsellerlisten geschafft haben. Ich bekomme regelmäßig Feedback von Lesern, die zum Glauben gefunden haben oder durch die Bücher zu Gott zurückgekehrt sind. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ich bin in einer ungläubigen Familie aufgewachsen. Obwohl ich Kinder sehr liebe, wollte ich vor meiner Bekehrung selbst kein Kind haben. Das klingt wirklich schlecht, nicht wahr? Tief in mir ist ein Bild, das ich bei einem Autounfall sah, bei dem die ganze Familie mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht wurde. Der Verkehr wurde gestoppt, dann ging die Szene weiter und der winzige Schuh des kleinen Kindes blieb blutig auf dem Asphalt liegen. Meine Füße waren am Boden wie angewurzelt. Diesen Anblick bin ich nicht mehr losgeworden.

Ich war noch keine zwanzig Jahre alt, als meine Freundin, ein äußerst talentiertes, liebes Mädchen, bei einem Autounfall brutal ums Leben kam. Bei ihrer Beerdigung wurde ich am offenen Grab aus nächster Nähe mit der grausamen Realität von Leid und Tod konfrontiert. Von da an trieb es mich um: Was ist der Sinn des Lebens, wenn zu irgendeinem Zeitpunkt ein unerwarteter Unfall oder eine Tragödie unser Leben von einem Augenblick auf den anderen in Trümmer verwandeln und uns der Gesundheit und unserer Lieben berauben kann? Ich fand es egoistisch, ein Kind in dieser sinnlosen Welt zu haben, auf das auch ein solch sinnloses Schicksal warten kann.

Nach meiner Bekehrung veränderte das Erleben der Liebe Gottes und die Hoffnung auf ein glückliches, ewiges Leben, mein Weltbild. Wir bekamen vier Kinder und haben bereits einen süßen Enkel. Sie sind der absolute Wert für meinen Mann und mich.
Lange Zeit hatte ich Probleme mit der Person Mariens. Ich verstand nicht, warum ich mich an die „Sekretärin“ wenden sollte, wenn ich direkt zum „Chef“, dem Dreifaltigen Gott, gehen könnte. Die Gottesmutter Maria kam mir dann während einer meiner Geburten sehr nahe.

Als ich während einer sehr anstrengenden und langen Phase nicht mehr zu Gott beten konnte, den wir uns immer noch als Mann vorstellen, wendete ich mich schließlich an Maria, die dieselbe schmerzhafte Situation durchlebt hatte. In diesem Moment platzte die Fruchtblase und ich konnte bald unser neugeborenes Mädchen umarmen. Von da an wurde Maria meine himmlische Mutter, die mich vollkommen liebt, mich akzeptiert und die problematische Beziehung zu meiner leiblichen Mutter heilt.
Die Ehe meiner Eltern war ziemlich turbulent. Ich habe viel gelernt, was ich anders machen wollte. Ich habe viel daran gearbeitet, dass mein Mann nicht „aufs Abstellgleis“ geriet, dass unsere Beziehung lebendig blieb. Wir haben dabei sehr viel Hilfe bekommen in der Schönstatt-Familienarbeit von Pater Tilmann Beller und dem Liebesbündnis mit Maria. Wie oft haben wir gehört, dass die Ehe Arbeit ist und nicht von alleine funktioniert.
Die größte Herausforderung für Frauen besteht heute darin, dass wir in einem Kreuzfeuer großer Erwartungen leben: Wir werden gemessen an unserem beruflichen Erfolg, wir sollen natürlich attraktive Frauen sein, engagierte Mütter und gleichzeitig weltgewandt auf dem neuesten Stand und engagiert im Ehrenamt. In den sozialen Medien gibt es nur Frauen mit einem glücklichen Gesicht – und inzwischen fühlen wir uns schrecklich allein. Großeltern sind oft weit weg oder beschäftigt, die meisten von uns leben isoliert als Kleinfamilie. Vielen von uns fehlt ein unterstützendes Umfeld, so dass viele mit den Sorgen von Elternschaft und Alltag allein gelassen werden.
Was tun wir dagegen?

An unserem Wohnort organisieren wir mit Mitgliedern unserer (Schönstatt) Gemeinschaft Projekte zur Stärkung und Bereicherung von Beziehungen. Wir möchten so dazu beitragen, dass Heiraten attraktiv wird, dass es natürlich ist, eine Beziehung zu pflegen und dass mehr Menschen daran festhalten. Wir organisieren Mittagessen für Mütter mit Kindern, finanzielle Unterstützung für Bedürftige und organisieren Vorträge.
In meiner eigenen Familie versuche ich auch, meine erwachsenen Kinder zu unterstützen, damit sie sich nie allein fühlen.
In meinem Leben erlebe ich immer wieder wie recht Pater Kentenich hat, wenn er sagt: „Unsere Wunden können zur Einbruchstelle der Gnade werden, wo Gott uns einen Auftrag gibt.“ Deshalb bin ich Gott auch für die Wunden meines Lebens von Herzen dankbar.