Myriam de Soto

61 Jahre alt, Malerin und Theologin, Spanien. Myriam de Soto ist Frau von Schönstatt.

Welche Erfahrungen haben Sie als Frau geprägt?

Ohne Zweifel haben der Glaube meiner Eltern und die starke Persönlichkeit meiner Mutter einen großen Einfluss auf mich als Frau gehabt. Aber auch die Freundschaft mit anderen Frauen, ihre Liebe und Hingabe, die Wertschätzung der Schönheit und ihr religiöser Sinn, waren entscheidend für meine Entwicklung als Frau und für meine Berufung zum geweihten Leben.

Wo in Ihrem Leben haben Sie Gott erfahren?

In meiner Familie herrschte eine natürliche religiöse Atmosphäre, die in der katholischen Schule, die wir besuchten, eine Kontinuität fand. Die erste „persönliche“ Gotteserfahrung kam jedoch durch eine Krankheit, die mich fünf Jahre lang von meiner Familie und dem sozialen Umfeld isolierte. In dieser Zeit musste ich besondere Kreativität entwickeln, die sich in der Liebe zur Natur und zur Kunst kristallisierte. In allem suchte ich nach Unterhaltung und Gesellschaft. Ich fand sie in der Malerei, in der klassischen Musik und nicht zuletzt im Gebet. In diesen Jahren entwickelte ich auch eine große Liebe zum Lesen. In den Biographien einiger Heiliger fand ich Lebensmodelle, die mich dazu anregten, nach etwas Großem und Schönem zu streben. Schließlich, im Alter von 34 Jahren, nach zwei langen Freundschaften und der Begegnung mit einer tollen Frau von Schönstatt, fand ich meine Berufung und die Schönheit, die ich immer gesucht hatte.

Was sehen Sie als die Herausforderung für Frauen heute?

Inmitten von so viel Durcheinander, angesichts der großen Palette an/von Optionen, die die „Befreiung“ der Frau und noch mehr die Geschlechterbefreiung bieten, ist es in unserer gegenwärtigen Kultur harte Arbeit, eine Frau zu sein – zumindest nach der christlichen Kultur und Anthropologie.

Ich glaube, dass die größte Herausforderung heute darin besteht, die kindliche Wurzel zu kultivieren. Nur aus dem Wissen heraus, dass man zutiefst und bedingungslos geliebt ist – in letzter Instanz von einem Gott, der Vater und gut ist – wird es möglich, in der notwendigen Freiheit zu wachsen, sich zu entscheiden und es zu wagen, Kind und Frau zu sein, so wie es dem eigenen Wesen entspricht. So kann die Frau sich ihrer Berufung entsprechend mit all dem Potential und den Fähigkeiten, die die Natur ihr gegeben hat, einbringen: in der Familie, im Beruf, in der Gesellschaft, im Leben der Kirche … und damit diese Welt zu einem Zuhause, einem schöneren Ort zum Leben, einer Brücke zum Himmel zu gestalten.

Was möchten Sie durch Ihr Leben in dieser Welt verändern?

Ich glaube an die Existenz eines Gottes, der Liebe ist und der sich jedem seiner Kinder, die er ins Leben ruft, ganz und gar schenkt. Ich hoffe, eine treue Zeugin dieser Wahrheit zu sein, an die ich glaube. In diesem Sinn setze ich mich in einer geistlichen Familie ein, in einer Gemeinschaft ohne äußere Mauern, die mich aussendet, Sauerteig christlichen Lebens in dem Teil der Welt zu sein, der mir anvertraut wurde. Vom Heiligtum aus darf ich entsprechend meiner säkularen und gottgeweihten Berufung anderen helfen, den Weg zum Haus des Vaters zu gehen, an der Hand Marias, der Mutter des Neuen Bundes. Sie inspiriert mich, auf den Straßen unserer Welt, und insbesondere für jede Frau, Ort der tiefen Begegnung mit diesem Gott zu sein, der die Wahrheit, Güte und Schönheit der Fülle des Lebens ist, zu der wir alle berufen sind.