Paola Maldonado Barrera

1995 geboren, steht von dem Abschluss ihres Medizinstudiums. Gehört zur Schönstattbewegung Mädchen/Junge Frauen (MJF) in Mexiko.

Welche Erfahrungen haben Sie als Frau geprägt?

Meine Prägung als Frau geht auf den Einfluss von Menschen zurück, die mir sehr nahe stehen, sowie auf Herausforderungen, mit denen Gott mich konfrontiert hat – wobei er mir in seiner Güte und Zuverlässigkeit immer das entsprechende Rüstzeug zur Verfügung stellte.

Was die Menschen betrifft, so war meine Mutter definitiv die wichtigste Person. Von ihr lernte ich, dass Willenskraft, Leidenschaft und harte Arbeit sich immer auszahlen. Abgesehen von der Gottesmutter ist sie für mich das deutlichste Beispiel dafür, dass wir als Frauen fähig sind, außergewöhnliche Positionen in der Gesellschaft einzunehmen. Wenn du deine Originalität lebst, kannst du jede Herausforderung meistern, auch all das, was mit gesellschaftlichen Stereotypen verbunden ist. An zweiter Stelle steht meine Freundschaft, die mich ermutigt hat, in Bezug auf das, was heutzutage in Freundschaftsbeziehungen üblich ist, gegen den Strom zu schwimmen. Mit Maria und unserem Gründer erziehen wir uns zur Reinheit, Keuschheit und selbstlosen Liebe und arbeiten daran, in dieser Zeit der Freundschaft nach Heiligkeit zu streben.

Gott legte mir die Sehnsucht ins Herz, anderen zu dienen, indem ich für die Gesundheit und das physische Wohl meiner Brüder und Schwestern arbeite. Es ist eine Sehnsucht, die sich immer mehr festigt und die so langsam von der Theorie in die Praxis übergeht, da ich vor dem Abschluss meines Medizinstudiums stehe. Diese Sehnsucht brachte während meines Universitäts-Studiums viele Herausforderungen mit sich, die meinen Charakter als Frau geformt haben. Unter anderem kann ich den „Kampf“ zwischen Wissenschaft und Religion erwähnen, wobei die letztere meistens keinen Platz hatte und Anlass zu Kritik war: Eine medizinische Praxis, die den menschlichen Faktor, die Nächstenliebe und das Einfühlungsvermögen, vergessen hat und in einigen Fällen ein Umfeld, in dem man als Frau als weniger fähig, fehl am Platz oder sogar als Belästigung empfunden wird.

Ganz von der Vorsehung gefügt, tauchte in dieser Zeit die Gottesmutter von Schönstatt in meinem Leben auf, um mich zu erziehen. Durch die Gottesmutter und Pater Kentenich gab Gott mir die richtigen Hilfen, um im Glauben zu wachsen, ihn mit meiner beruflichen Bildung zu verbinden und alle Herausforderungen zu meistern. Von Maria lernte ich die mütterliche Beheimatung, sie führte mich zu Jesus, damit ich lerne, die Kranken in einer menschlicheren Weise zu behandeln. Von Pater Kentenich lernte ich den solidarischen Einsatz für andere über das Gnadenkapital [1]; er half mir, die Herausforderung anzunehmen, ein Werkzeug zu sein, alles in die Hände Mariens zu legen und sie überallhin mitzunehmen, auch an die schwierigsten Orte, trotz aller Kritik.

Schließlich lerne ich durch die Schönstatt-MJF mich selbst zu erkennen als „kleine Maria“, als Frau nach dem Vorbild Mariens, und jeden Zug meiner Persönlichkeit als Geschenk Gottes zu sehen. Ich weiß mich besonders dazu erwählt, meine Talente, so klein und unvollkommen sie auch sein mögen, in den Dienst des Reiches Gottes zu stellen.

Wo in Ihrem Leben haben Sie Gott erfahren?

Gott sei Dank könnte ich hier viele Momente nennen, in denen ich ihn in einer ganz persönlichen Weise erfahren durfte, aber ich werde mich auf ein Geschenk konzentrieren, das für mich ganz speziell ist: Die Möglichkeit, als Kommunionhelferin bestimmte Dienste zu übernehmen. Das ist ein Dienst, den auch andere junge Frauen aus der MJF übernommen haben.

Jesus hat das Bündnis ernst genommen, das wir mit der Gottesmutter geschlossen haben. Er hat mich und meine Kolleginnen bei der Hand genommen und uns auf eine viel tiefere Weise hingeführt zum Sakrament der Eucharistie und der Versöhnung, damit wir für seinen Auftrag befähigt würden. Auch wenn meine eigene Begrenztheit mich dazu veranlasste, zu denken, dass ich einer solchen Ehre nicht würdig bin, so hat doch die Gottesmutter durch Zweitursachen dafür gesorgt, dass ich nach der Gnade verlangte und die Sendung wieder aufnahm, die uns anvertraut wurde.

Ganz klein und transparent zu werden um ganz nah bei Jesus im Sakrament zu sein, das ist ein enormes Privileg. Er, der tröstet, der uns begleitet und unsere Not lindert, er sorgt dafür, dass er durch seine Werkzeuge während der Karwoche zu vielen kranken und alten Menschen in entlegenen Gemeinden kommt, sowie zu Tausenden von Pilgern, die das Heiligtum an jedem Wochenende besuchen. Dank dieser Tatsache konnte ich Zeuge jenes so intimen Augenblicks sein in dem „Die Liebe“ sich ganz und gar schenkt – und in dem der Glaube dessen, der IHN empfängt, nicht größer sein könnte. Ihn zu tragen, den König der Könige, und zu sehen, wie er fähig ist, jeden physischen und seelischen Schmerz zu heilen, bedeutet, Zeuge eines Wunders zu sein, jedes Mal wenn jemand Seinen Leib empfängt. Man kann nichts anderes tun, als vor Ihm niederzuknien, ihn anzubeten und sich danach zu sehnen, ihm jederzeit zu dienen.

Was sehen Sie als die Herausforderung für Frauen heute?

Dass wir uns von den egozentrischen Strömungen lösen, die dazu führen, dass wir uns in unser eigenes „Ich“ verstricken, in „meine Freiheit“, „mein Glück“, „meinen persönlichen Erfolg“ etc. Diese Strömungen führen dazu, dass wir unser eigenes weibliches Wesen verneinen, dass wir die Mutterschaft verneinen, das Einfühlungsvermögen, die Intuition, die Fähigkeit, ganz Seele zu sein, denn diese Wesenszüge sind nicht für den Egoismus geschaffen, sondern für die Hingabe.

Diese Strömungen führen auch dazu, dass wir vor dem Opfer fliehen, das darin besteht, sich zu verschenken und anderen zu dienen. Sie hindern uns daran, die Erfahrung des Kreuzes zu machen und damit auch die Freude und Hoffnung auf den göttlichen Lohn zu erhalten. Was ist für mich die Antwort darauf? Es gilt, die Originalität, die Gott dir geschenkt hat, zu erkennen und anzunehmen, aber nicht als ein Geschenk für dich selbst, sondern für deine Brüder und Schwestern. Und zwar ohne Vorbehalt, bedingungslos und ungeachtet jeglicher Angst – indem man immer Gott in den Mittelpunkt stellt. Im Maße als wir aus uns selbst herausgehen und zur Gabe für Gott auf dieser Erde werden, können wir zu jener neuen Frau werden, die zusammen mit dem neuen Mann, die neue Gemeinschaft bildet.

Ich bin sehr dankbar für die Gelegenheit, dieses kleine Zeugnis zu geben, mitten unter so vielen außergewöhnlichen Frauen, die ihr Leben durch Schönstatt in die Hände Gottes und der Gottesmutter legen. Ich sehe es als eine Möglichkeit, Gott Ehre zu erweisen und auch die Schönstatt-MJF zu ehren, die voll von bewundernswerten Frauen ist und durch die ich inspiriert werde, „Immakulatakind, Werkzeug des Vaters“ zu sein.


[1] Gnadenkapital: Wir schenken unseren Einsatz, unser Gebet und Opfer, damit die Gottesmutter Gott bewegt, anderen entsprechende Gnadenhilfen zu schenken.