Růžena Jurečková

1949 als ältestes von fünf Kindern in einer Bauernfamilie geboren; Studium an der technischen Universität / Landwirtschaftshochschule in Brünn; verheiratet, 5 Kinder, 22 Enkelkinder; gehört zur Schönstattbewegung Frauen und Mütter.

Welche Erfahrungen haben Sie als Frau geprägt?

Ich bin in der Tschechoslowakei nach dem kommunistischen Umsturz im Jahre 1949 als ältestes von fünf Kindern (2 Töchter, 3 Söhne) in der Familie eines Bauern geboren, der die Kollektivierung abgelehnt hat. Darum wurde meine Familie als „Feind des sozialistischen Regimes“ behandelt. Meine Eltern waren praktizierende Katholiken und die erste Erfahrung, die mich als Frau geprägt hat, war deren konsequente und freundliche Gerechtigkeit, Ordnung und Treue zu den Geboten Gottes – und das unter allen Bedingungen. Gerecht und konsequent verlangten meine Eltern Erfüllung aller Verpflichtungen (zu Hause, auf dem Feld, im Stall, in der Schule, auch im geistlichen Leben), von den Töchtern wie von den Söhnen. Das gab mir Selbstbewusstsein ins Leben mit, dass ich als Mädchen und später als Frau gleich bewertet, aufgenommen und geliebt von meinen Eltern sowie von Gott bin wie meine Brüder. Dass nicht das Geschlecht, sondern das, was ich tue und wie ich es tue, entscheidet. (Meine Altersgenossinnen hatten in ihren Familien meistens umgekehrte Erfahrungen, die sie für das ganze Leben gezeichnet haben.)

Eine zweite, noch wichtigere Erfahrung war während meiner Studien auf der Landwirtschaftshochschule in Brünn die Begegnung mit Jarmila Smyčková, von der ich damals (1969) freilich nicht wusste, dass sie eine Marienschwester war – Sr. M. Květa – die wegen der politischen Verfolgung anonym lebte.

Ich achtete sie als eine ältere sehr gute Freundin, zu der ich mit einer Kommilitonin jeden Monat während des Akademischen Jahres für 2-3 Stunden „zu Besuch und zur Plauderei“ ging. In diesen vier Jahren hat sie uns von der Gottesmutter, der Geschichte Schönstatts, von Pater Kentenich erzählt, und sie hat uns in die ganze Schönstatt-Pädagogik und Spiritualität eingeführt. Es waren herausragende Stunden, in denen sie mir als junger Frau nach und nach die Augen öffnete und den Blick auf die Jungfrau Maria hin weitete; sie hat uns vom Frauenbild erzählt, wie es im Plan Gottes steht, welche Hoffnungen Gott auf uns Frauen setzt und wie wir werden sollen – kleine Marien, ein Abglanz der Mutter Jesu! An Jarmila haben wir gesehen: Sie lebt das, wovon sie mit solchem Enthusiasmus spricht! Tief, sehr tief hat das auf mich damals in der sozialistischen Tschechoslowakei gewirkt! Dabei war Jarmila mehrmals durch die STB (Geheimpolizei) ins Verhör genommen worden, es waren bei ihr Hausdurchsuchungen durchgeführt worden. Sie war rein, tapfer und hatte tiefes kindliches Vertrauen auf Gott. So wie wir zu zweit zu ihr kamen, gab es mehrere Mädchen und junge Frauen, mit denen sie sich traf, aber immer nur zweit – größere Gruppen waren nicht möglich.

Bei diesen Begegnungen wurde mir das Bild der Gottesmutter ins Herz gelegt als Ideal der Frau. Nach und nach habe ich mir in diesen Jahren eine innige Beziehung zur Gottesmutter angeeignet. Später ist in mir die Sehnsucht gewachsen, von Ihr mich erziehen zu lassen, Ihr mich zu weihen, mit Ihr alles zu lösen, mit Ihr mich zu entscheiden und mit Ihr meine Entscheidungen auch zu realisieren…Ihr dann später meinen Mann und die Ehen unserer 5 Kinder, die nach und nach zur Welt gekommen sind, anzuvertrauen … Ihr nicht nur die Erziehung, sondern deren ganzen Lebensgang anzuvertrauen …

Ich möchte sagen, dass das, was ich von zu Hause mitgebracht habe, den Grund gelegt hat. Das, was ich durch das Liebesbündnis von der MTA geschenkt bekommen habe, war ein wunderbares, mit nichts zu vergleichendes Geschenk, das von innen die Frau verwandelt und nach dem Ideal der Gottesmutter formt –dem schönsten und höchsten Vorbild. Ich kann der Gottesmutter für das Geschenk des Liebesbündnisses nicht dankbar genug sein!

Wo in Ihrem Leben haben Sie Gott erfahren?

Gott habe ich schon von meiner Jugend sehr klar erlebt, wo ich mir mit Hilfe meiner Eltern bewusst wurde: Er beschützt uns, dass uns die Kommunisten nicht liquidiert haben, dass sie die Eltern nicht ins Gefängnis brachten und uns Kinder nicht in ein Kinderheim zur Umerziehung eingesperrt haben (was in den fünfziger Jahren möglich war), dass ich trotz allem wenigstens an der technischen Hochschule studieren konnte, weil Kinder aus solchen antikommunistischen Familien keine Chance zum Studium auf der Universität hatten.

Ich habe wahrgenommen, dass Gott hier mit uns, mit mir ist, dass er unsere Bitten hört, besonders, als meine 6-jährige Schwester von einem Auto schwer verletzt wurde. Unsere ganze Familie hat für sie gebetet. Sie ist lahm geworden, aber nach und nach konnte sie langsam zum normalen Leben zurückkehren. Heute hat sie 3 erwachsene Kinder, die selbst wieder katholische Familien gegründet haben.

Beim Studium der naturwissenschaftlichen Disziplinen, die den fachlichen landwirtschaftlichen Disziplinen vorausgehen, habe ich über das Werk Gottes, über die Stimmigkeit, Logik und Schönheit Seiner Schöpfung gestaunt. Oft konnte ich mich bis tief in die Nacht nicht von meinen Lehrbüchern trennen, wenn ich überlegt habe, wie hervorragend das von Gott geschaffene Werk ist und wie hervorragend der Schöpfer selbst ist!

Dann gab mir der liebe Gott einen guten Mann zur Ehe und später die Familie: 5 Kinder, 22 Enkelkinder… das alles habe ich als unglaubliches Gottesgeschenk wahrgenommen, als Liebesbegegnung mit ihm, als Seine aktuelle Gegenwart in meinem Leben.

Gott habe ich sehr stark auch darin erlebt, wenn wir für solche Leute beteten, die vom Weg Gottes abkamen, aber doch wieder zu Ihm zurückgefunden haben – diese Freude, das Staunen über das Wunder der Bekehrung! Die Erfahrung der Tatsache, dass Gott größer, mächtiger als menschliche Bosheit ist!

Ich erlebe Gott auch in der schönen und solidarischen Gemeinschaft unserer großen blutsverwandten Familie (meine verstorbenen Eltern haben 5 Kinder, 23 Enkel und jetzt 71 Urenkel); jedes Jahr Ende Oktober treffen wir uns bei einer heiligen Messe, danach beim gemeinsamen Essen und anschließendem Nachklang und es macht uns allen sehr viel Freude. Ähnlich wie in der blutsverwandten Familie, erleben wir Gott auch in der geistlichen Schönstattfamilie. Die schönen, tragenden Beziehungen in unserer Gemeinschaft der Schönstattmütter, deren gegenseitige Liebe sich in der Solidarität in den schweren sowie freudigen Situationen erweist, sind für mich ein Zeichen der lebendigen Anwesenheit Gottes.

Was sehen Sie als die Herausforderung für Frauen heute?

Unsere Gesellschaft braucht dringend selbstbewusste Frauen, die in der Gesellschaftsordnung Gottes fest verankert sind und ihre Weiblichkeit voll leben. Sie sind fähig, wirkliche Frauen zu bleiben (dem aktuellen Gendertrend zum Trotz) und in ihrem Frausein das zu verschenken, was der Frau ganz unmittelbar am stärksten zu eigen ist: dem Leben zu dienen und es von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod zu schützen, sich in die Situation anderer einzufühlen, ihre Bedürfnisse zu sehen, für ihr Wohlergehen Opfer zu bringen, mit wenig auszukommen, alles im Zusammenhang mit dem Geschehen rundherum zu sehen und richtige Entscheidungen in Übereinstimmung mit den Gesetzen Gottes, gegenüber der Gesellschaft und gegenüber der Natur zu treffen und demgemäß zu handeln.

Heute liegt auch eine Herausforderung für Frauen darin, einen guten Mann zu suchen und zu finden und keine Angst zu haben, mit ihm in dauerhafter lebenslanger Verbindung zu leben, sich nicht zu fürchten, Kinder zu gebären, zu erziehen und durch ihr Beispiel die gemeinsamen Kinder zu formen – und hauptsächlich, keine Angst zu haben, an ihre Kinder entsprechende Anforderungen zu stellen, damit sie gesund aufwachsen können.

Was möchten Sie durch Ihr Leben in dieser Welt verändern?

In erster Linie will ich mich mit Hilfe der Gottesmutter zu einer solchen Frau erziehen, die Gott im Plan hatte, konkret: die Frau, als die Gott mich geplant hat. Und dann möchte ich die Welt um mich herum dadurch ändern, dass ich durch mein Leben in der heutigen Gesellschaft Zeugnis für Christus ablege, mit Sehnsucht und mit dem Ziel, dass die Leute zu Ihm den Weg finden, dass sie sich Ihm annähern, Ihn kennenlernen, eine Beziehung zu Ihm knüpfen – sich in Ihn verlieben. Mein Beitrag dazu ist das voll gelebte Liebesbündnis, in dem ich alles der Gottesmutter übergebe.